Sonntag, 12. Dezember 2010

Ich komm nicht ins Internet...

Gestern rief ein Kumpel an. Er kam nicht mehr ins Internet, zumindest nicht mit dem Firefox. Er hätte sich letztens ein paar Vieren gefangen und wahrscheinlich auch wieder entfernt, und mit dem Internet-Explorer kommt er auch noch ins Netz.

Ich hatte die Kinder bei Freunden untergebracht und wollte eigentlich an einer Bewerbung schrauben, aber es ist halt ein Kumpel. Dann will ich doch mal helfen.


Immer wenn er den Firefox gestartet hat, dann kam eine Meldung, dass etwas nicht gefunden wird, und dass man das reparieren soll, oder den Eintrag aus der Registry löschen soll. Es ist also etwas vom Virus liegen geblieben.

Ja, er hat einen Virusscanner, und der hat auch irgendwas gelöscht, aber der Fehler sei geblieben und ein anderes Tool hat auch noch was gefunden, aber er soll 80€ zahlen, damit es entfernt wird. Ich habe darauf hingewiesen, dass es hier vor Ort jemanden gibt, der ihm das wahrscheinlich für um die 30€ erledigt, aber er wollte lieber meine Dienste in Anspruch nehmen. Nun gut.

Da der Firefox nicht lief, habe ich den sicherheitshalber erstmal deinstallieren lassen. Dabei haben wir die Nutzerdaten nicht gelöscht (oder kam die Frage dazu erst beim Installieren?). Dann habe ich ihn gebeten, den Firefox von www.mozilla.com runterzuladen. Das war schon schwierig: im IE hat er die diktierte Adresse nicht in Adressleiste eingegeben, sondern offenbar in das Suchfeld vom msn.de (oder wo auch immer - ich konnte es jetzt gerade nicht reproduzieren). Da ich nicht riskieren wollte, dass er sich den Firefox von wo anders lädt, habe ich drauf bestanden, dass er in die Adressleiste eingibt.

Wir haben den Firefox dann installiert. Es kam immer noch die gleiche Fehlermeldung. Nur, dass es für mich nun eine andere war: Fehler: Proxy-Server verweigert die Verbindung. Je unbedarfter ein Anwender ist, desto begabter scheint er darin zu sein, die entscheidenden Stellen der Fehlermeldung nicht vorzulesen.

Ok, schauen wir mal in die Einstellungen: es war ein Proxy eingetragen. Das war dann auch wohl der Virus: irgendwo drauf geklickt, und dann wurde ihm ein Proxy eingetragen, der Daten abgegriffen hat.

Dann ging alles, aber ich wollte noch die genaue Meldung wegen Registry und so. Weil Surfen aber wieder ging, schien ihm das nicht mehr so wichtig. Dann kam meine Gardinenpredigt:

  • Warum klickst du auf alles drauf?
  • Warum surfst du mit Admin-Rechten, obwohl ich dir doch extra ein Surfkonto eingerichtet habe?
  • Warum verweigerst du zu lernen, wie man mir ein Screenshot zuschicken kann? Dann könnte ich besser helfen!
  • Warum verweigerst du überhaupt irgendwas zu lernen?
Ja, mal will halt nur im Internet surfen und wie das funktioniert will man nicht wissen. 

Ja, mal will halt nur Auto fahren und will nicht wissen wie ein Auto funktioniert. Aber weil man Auto fahren will, macht man eine Führerscheinprüfung und muss sich ein paar Regeln merken, und wenn man nicht zu Schaden kommen will, sollte man diese auch befolgen.

Ich will sicher keinen Internet-Führerschein. Aber auf gesunden Menschenverstand kann man selten verzichten.

Was bei 'Auto' allen klar ist, wird beim 'Internet' konsequent ignoriert. Warum? Wie kann man die Leute überzeugen, dass Internet zwar was sinnvolles ist, aber auch gefährlich, zumindest teuer, sein kann, wenn man überhaupt nicht weiß was man da macht? Wie oft soll ich bei pathologischen noch helfen?

Hoffen wir, dass die Kinder in der Schule heute etwas in die Richtung beigebracht bekommen. Aber mir schwant da fürchterliches...

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