Freitag, 7. Januar 2011

Bewerben, aber richtig!

Wie jeder weiß: ich such einen neuen Beruf. Beruf! Kommt von Berufung (http://de.wiktionary.org/wiki/Beruf). Keinen Job!

Heute habe ich meine erste Bewerbung losgeschickt. Die erste Beratung habe ich mir bei meinem Schwager geholt, denn der hat mich bisher immer richtig beraten: jede Bewerbung ein Treffer. Dann, weil eine Bewerbung nach Australien geht, habe ich mir von Freunden aus UK helfen lassen und festgestellt, dass eine Bewerbung dahin besser anders aussieht.

Die letzten Kommentare und Korrekturen habe ich mir bei drei Menschen eingeholt. Bei meiner Frau, einem meiner früheren Vorgesetzten, sowie einem guten Freund und Kollegen. Die Beurteilungen hätten nicht unterschiedlicher sein können.

Während zwei von den Drei sagten Prima! Hier eine Kleinigkeit, da eine Kleinigkeit, hat der dritte das Ding in der Luft zerrissen. Alle liegen meiner Ansicht nach richtig: Sie legen nur alle einen anderen Maßstab an.

Und nicht nur die Drei. Jeder gibt andere Empfehlungen, egal wo man sucht.

Meine Variante...

Ich habe mich schließlich für die Variante entschieden, die bei einem Angebot des Berufszentrum ABIS e.K. beworben wird, und zwar für eine englische Version: http://www.berufszentrum.de/resume_text.html: keine Angaben zu Familie, Alter, Hautfarbe, jüngste Vergangenheit zuerst, zum Schluss die Ausbildung, etc. Ein bisschen modifiziert habe ich - hier und da - dann aber doch noch. Was, ist geheim.

Ich bewerbe mich nicht bei Unbekannten, d.h. ich habe einige alte Kontakte. Aus dem Grund kann ich mich der Hoffnung hingeben, dass wenn ich den Eingangskorb in der Personalabteilung überlebe, wieder einem Traumberuf nachgehen können werde. Die Kollegen kennen mich und meine Fähigkeiten und das letzte Stückchen Vertrauen, wird in einem Gespräch gewonnen, nicht auf Papier oder auf pdf.

Eine andere Variante...

Eine andere Variante wäre die in Empfehlungen zum Bewerbungsaufbau aus einem Beitrag von Heiko Mell in den VDI nachrichten vom 08.10.2004. Finde ich gaaaaaaaaanz furchtbar. Warum?

Ein Leben ist nicht in Dokumenten erfasst! Aus einem Abi Durchschnitt von 2,5 geht nicht hervor, dass im letzen Halbjahr eine 1,3 stand. Wenn ein Studium nicht in Rekord-Zeit mit Bestnote abgeschlossen wurde, dann liegt das vielleicht daran, dass man sich das Studium in Spät- und Nachtschichten in der Gastronomie finanzieren musste und die Vorlesungen um 08:15 Uhr immer verschlafen hat. Thema Arbeitszeugnisse: was steht da drin? Das der Chef einen gut oder schlecht leiden konnte? Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss. Wenn das Pferd deutlich höher springt als vom Reiter erwartet wird, und dieser aus dem Sattel fällt, wie wird der Reiter das Pferd beurteilen? Verlangt wird in der Regel ein Ziel zu erfüllen. Wird eine Zielmarke unter oder überschritten hat man ein Problem. Ist wie bei einem Budget: gib immer so viel aus, wie du vorher geplant aus. Nicht zu viel, dass ist immer schlecht, aber auch nicht zu wenig, denn dann hast du schlecht geplant. Logisch? Ohne mehr Information nicht zweifelsfrei zu bestimmen! Ein Dokument ist nur ein Ausschnitt. Basta.

Die Personalabteilung muss vorsortieren, entscheiden, wer im Auswahlprozess weiter kommt. Daher schneide ich meine Bewerbung ausschließlich so zurecht, dass man die erste Hürde überwinden kann, so, dass diese Abteilung wenig Arbeit hat? Nö! Die Aufgabe einer Personalabteilung ist, effizient die geeigneten Mitarbeiter zu finden. Das ist sicher keine einfache Aufgabe! Jemand der hier nach Null-Acht-Fünfzehn arbeitet hätte keine Zeit folgende Aussage zu treffen:
[...] Ich bin absolut der Ansicht, dass Du was kannst. Ich halte Dich für einen sehr schlauen Kopf, extrem pfiffig und eine coole Haut. Aber manchmal bist Du zu kompliziert in Deiner Denkweise und dann verkaufst Du Dich unter Wert bzw. stehst Dir im Weg. Meine individuelle Sicht. 
und weiter:
Wenn Du Deine Fähigkeiten entsprechend rüberbringst, bist Du in Deinem Fachgebiet immer und für fast jede Firma eine Verstärkung.
Ja, im verkaufen schlecht, aber ich kenne da eine Aufgabenteilung aus der Gastronomie: in der Küche wird gekocht, vorne im Restaurant wird verkauft. Ist Teamarbeit. Nur mit guten Köchen und mit guten Kellnern läuft der Laden. Ich bin Koch. Ich komm auch mal nach vorne zum Kunden: Gäste lieben es, wenn der (Spitzen-)Koch sich an ihrem Tisch blicken lässt! Weil ich das weiß, kann ich auch verkaufen: immer dann, wenn es angebracht ist.

Der Artikel von Heiko Mell ist von 2004 und dreht sich danach im wesentlichen darum, wie Blätter in Ordner einsortiert werden. Die letzte Bewerbung die ich auf Papier abgegeben habe ist von 2003. Ich gehöre nicht zu dem Publikum für das Herr Mell schreibt.

Wer mich nicht einstellt, dem entgeht folgendes:
Als Mitarbeiter nicht einfach, was ich nicht offiziell bestätigen würde. Als Mensch - Respekt.  
Als Mensch würde Ich Dir mehr trauen als den meisten. Du hast Prinzipien. Das macht es manchmal im Beruf schwer, dich einzuordnen. Aber es bedeutet auch - Zuverlässigkeit. 
Nicht jeder "Chef" kann mit dieser eckigen Art umgehen. Es sei denn, dem Chef sind Ergebnisse wichtiger. Dann ist er froh, Dich im Team zu haben.  
Beruflich würde ich das vielleicht so formulieren: 
Es ist schwierig, Paulo eine Aufgabe zu übergeben. Sobald dies geglückt ist, nimmt er auch die Verantwortung - ohne Einschränkungen. 
Jederzeit wieder ... 
Danke für die Worte! Aber sowas steht nun mal in keinem Zeugnis. Schade, Schade, Schade!


Personalreferenten, die nach dem Verfahren Mell aus 2004 arbeiten? Da wackelt der Schwanz mit dem Hund! Gebt euch mehr Mühe! Ihr seid das eurem Arbeitgeber schuldig! Ihr vermittelt niemandem einen Beruf, nur Jobs! Schämt euch! Habe ich mich hier und jetzt in Schwierigkeiten gebracht und lande jetzt auf der Strasse? Mist!


Aber: ich habe Recht. Euer Don Quijote.

http://de.wikipedia.org/wiki/Don_QuijoteSeite „Don Quijote“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 25. Dezember 2010, 20:57 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Don_Quijote&oldid=83060027 (Abgerufen: 7. Januar 2011, 19:55 UTC)




























Updates



  • 14.Juni 2012: Der Link zu Heiko Mell ist inzwischen wohl wo anders. Aktuell hier.

Kommentare:

  1. Ich habe zu Weihnachten eine Karte von einem befreundeten Ehepaar bekommen. Beides Designer und soweit ich weiß, haben beide mit einer 1 abgeschlossen. Auf der ausgesprochen schön gemachten Karte hieß es: "... wünschen wir ein frohes Neuer Jahr ...".

    Überall Menschen: in meinem ersten Anschreiben habe ich auch schon einen Fehler gefunden.

    Insgesamt mache ich mich für einen, der mal Legasthenie-Kurse besucht hat, aber nicht sooo schlecht.

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  2. Die beiden Zitate stammen doch aus "Referenzen", oder? Im anglo-amerikanischen Bereich ist es doch sowieso Usus, dass man davon ein paar für die Bewerbung liefert (bzw. liefern muss).

    Vielleicht solltest Du Dich schonmal nach Tipps für die Formulierung von Referenzen umsehen ...

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  3. Toens, mein Held! Endlich jemand, der sich zu kommentieren traut!

    Die Zitate stammen aus Mails im Xing. Leider trauen sich die beiden Kollegen nicht die dort als "Referenz" einzustellen. Leider.

    Drei andere haben sich getraut. Kannst unter Xing bei Referenzen & Auszeichnungen reinschauen.

    Willst du auch meine Referenz sein?

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  4. Michael Püttmann31. Januar 2012 um 16:55

    Letztlich entscheidet ein jeder auch ein Stück weit nach seinem ganz persönlichen Empfinden - "Durchgängigkeit", "Aufbau", natürlich "Inhalte" (fachlich, persönlich...).
    Darüber hinaus entscheiden die Mädels und Jungs aus der Personalabteilung mit Sicherheit auch nach den Dingen, von denen Sie wissen, dass es dem finalen Entscheider wichtig ist!
    Es gehört also immer auch ein Quentchen Glück dazu...

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