Freitag, 16. Mai 2014

Irrwitzige Wahl(be)werbung

Paulo da Silva
Wahlbezirk 6
D-48143 Warendorf
Mail: paulo.da.silva@walgernweg.de

Bewerbung als Ratsmitglied der Stadt Warendorf


Sehr geehrte Nachbarin, sehr geehrter Nachbar,

aus eigenem Interesse und eindringlicher Empfehlung meiner Freunde und Arbeitskollegen bewerbe ich mich als Ratsmitglied der Stadt Warendorf.

Ich bin Diplom-Mathematiker und in meinem eigentlichen Beruf verantwortlich für Entwurf, Entwicklung, Einführung und Betrieb von Turbo-Internet auf dem Land.

Alles was jetzt kommt könnte Sie davon überzeugen, mich zu wählen:

Vom einem meiner Nachbarn höre ich immer wieder, ich sei ein töften Kerl, man könne mich aber nicht wählen, weil ich in der falschen Partei bin. Dann sage ich, dass ich nicht wirtschaftsliberal, sondern liberal bin. Konservativ bin ich auch, unterstütze aber ausschließlich einen Wertkonservatismus. Grün war ich schon immer und die Sozialpolitik der Linken findet meine Unterstützung. Extreme sind mir zuwider: Ich bin Waage, auch wenn ich nicht daran glaube, dass das der Grund für meine ausgleichende Natur ist. Wie kann ich da in der falschen Partei sein? Themen sind mir wichtig. Ich stehe für Sach- nicht für Parteipolitik und das Grundsatzprogramm der Piratenpartei Deutschland. Davon, dass ich richtig liege, werde ich den Nachbarn noch überzeugen.

Mein Werdegang: Vor meiner aktuellen Anstellung war ich die Woche über in Hamburg. Dort habe ich für ein Jahr im Rahmen eines Sonderinvestitionsprogrammes die Finanzbehörde und die Behörde für Schule und Berufsbildung dabei unterstützt, die öffentlichen Schulen in Hamburg flächendeckend an das Hamburgische Telekommunikationsnetz anzuschließen und mit einem Glasfaser gestützten Breitbandzugang auszustatten.

Zuvor arbeitete ich über ein Jahrzehnt bei einem großen Telekommunikationsunternehmen in Verl (bei Gütersloh), wo uns mit Schließung des Standorts leider unser Spielplatz (so kann man das nennen, wenn alle Spaß bei der Arbeit haben) genommen wurde: Die Fortführung meiner Aufgaben in München habe ich abgelehnt: Ich bin Westfale! Mehr zur Qualifikation? Im Internet einfach mal nach meinem Namen in Kombination mit Warendorf und/oder Telekommunikation suchen.

Zum Abschied in Verl schrieb mir mein Vorgesetzter: "Ich freue mich sehr, dass ich Dich in der Kontaktliste habe. Als Mitarbeiter nicht einfach, was ich nicht offiziell bestätigen würde. Als Mensch - Respekt. Als Mensch würde Ich Dir mehr trauen als den meisten. Du hast Prinzipien. Das macht es manchmal im Beruf schwer, dich einzuordnen. Aber es bedeutet auch - Zuverlässigkeit. Nicht jeder "Chef" kann mit dieser eckigen Art umgehen. Es sei denn, dem Chef sind Ergebnisse wichtiger. Dann ist er froh, Dich im Team zu haben. Beruflich würde ich das vielleicht so formulieren: Es ist schwierig, Paulo eine Aufgabe zu übergeben. Sobald dies geglückt ist, nimmt er auch die Verantwortung - ohne Einschränkungen. Jederzeit wieder ..."

Das ist so schön, dass man Teile davon bei Google eingeben sollte, um zu überprüfen, ob das nicht ein Plagiat ist. Sie fragen sich, aber warum erzählt der das überhaupt?

Ich habe mich entschieden in den Rat der Stadt einzuziehen. Dort will ich Aufgaben und Verantwortung übernehmen. Vor der übernächsten Wahl können Sie erwarten, dass ich wieder so ein Zeugnis bekomme: Von Ihnen. Den Wählern. Dann darf ich dort länger wirken, da ich dann wieder Ihre Stimme erhalten werde. Und von meinem direkten Nachbarn auch: das hat er versprochen.

Auf die Gelegenheit zu einem persönlichen Gespräch freue ich mich sehr.

Es grüßt Sie herzlich,


Paulo da Silva,
Ihr Pirat von Nebenan.

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