Samstag, 30. August 2014

Emskraftwerk in Warendorf


Wenn alles perfekt läuft, dann gibt es Ende 2017 vielleicht wieder ein Wasserkraftwerk mitten in der Stadt Warendorf. Incl. Fischtreppe.

Eine Vorstellung des Projekts erfolgte im Betriebsausschusses des Abwasserbetriebes Warendorf. Ich war auf der Versammlung und teile mit, was ich mitgenommen habe.


Planung Wasserkraftanlage und Fischaufstieg

Herr Flick (Ing.-Büro Flick) pflegt seit sechs Jahren die Idee. Stichpunkte aus seinem Vortrag:
  • Das Wehr in Warendorf passieren bei Hochwasser bis zu 100m³/s. Wenn noch mehr kommt, fließen bis zu 30m³/s über einen Überlauf in den Emssee.
  • Immer wenn nötig, werden zwei Schleusen (unten auch mit T1 und T2 bezeichnet) unter dem HOT geöffnet, die bis in die 1960er Jahre auch die Turbinen beherbergten, die einst Warendorf den Strom brachten. Die geplanten Schnecken nehmen 30m³/s (genannt wurde auch mal 6,5m³/s) auf und könnten 120kW (später wurden auch mal 300kW genannt) erzeugen. 
  • Prüfungen ergaben, dass auch noch T3 nutzbar ist, denn da wurde offenbar nur zugemauert.

Planung Einrichtungen zum Fischschutz

Herr Dr. Hoffmann (Ing.-Büro BUGEFI ), Fischökologe, erläutert den Aufbau der Anlage: Von flussabwärts betrachtet wird ein Fischaufstieg, sowie zwei Schnecken (T1/T2 vielleicht auch T3) und der Fischabstieg (als Beipass) geplant.
  • Die T1-3 haben Fallhöhe von ca. 3m. Es kommt bei Niedrigwasser aber auch zu Höhen von nur ca. 2,5m und weniger.
  • Der Aufstieg ist erforscht und es gibt Richtlinien (über dessen Wirkung offenbar aber auch gestritten wird: s.u.). Nach Abnahme von so einem Bauwerk gibt es kein Monitoring der Anlage. Der Aufstieg ist parallel zu T1, denn so entsteht eine "Lockströmung", denen Fische folgen können.
  • Der Abstieg ist in der Forschung noch Neuland: Bei größeren Anlagen lässt man einfach mal Wasser ab, was hier aber die Wirtschaftlichkeit in Frage stellen würde. Alternativ gibt es aber wohl auch den Abstieg durch die Schnecken hindurch, der bei Fischen zu Verletzungen führen kann.
  • Deswegen eine Pilotanlage, deren Finanzierung durch das Land in Protokollen festgehalten wurde (lt. Dr. Schimmer, Bezirksregierung).
  • Die zu erprobende Technik heißt EtWas (Echtzeit-Warnsystem): Es wird vor Fischen gewarnt, die die Sperre abwärts passieren wollen, wie ein Echolot das Fischschwärme anzeigt und dann ggfl. eine Schleuse öffnet. Diese Technik muss an die Begebenheiten vor Ort angepasst werden, bis es dann automatisch funktioniert. Alternative: Hoher Wasserverlust und manuelle Steuerung.

Planung Maschinen und E-Technik

Herr Mergelmeyer (Ing.-Büro John Becker) stellt die geplante Technik vor: Es gibt vergleichbare Anlagen.

Berechnung der Wirtschaftlichkeit

Herr Riekenberg und Herr Hiller (WRG Solutions GmbH) rechnen vor,  dass sich wahrscheinlich eine dauerhafte und stabile Null ergibt. Dabei werden viele Variablen, u.a. das EEG, genannt. Hätte es hier ein anderes Ergebnis gegeben, hätte diese öffentliche Vorstellung wahrscheinlich schon nicht mehr gegeben.

Weitere Veröffentlichungen zum Thema und Reaktionen

Mein Fazit

Egal um was für ein Thema es geht, wird man immer mindestens zwei Spezialisten finden, die genau das Gegenteil behaupten. Das ist immer so, außer vielleicht in der Mathematik. Meiner Ansicht nach wird Strom immer billiger werden, und zwar so billig, dass man Menschen und/oder Gemeinden auf Dauer verpflichten wird, Strom wo es geht zu produzieren. Die Berechnung der Wirtschaftlichkeit in diesem Fall steht und fällt mit dem EEG. Und das wird im Zweifel nach Kassenlage geändert werden müssen. Konventionelle Anlagen, geraten, zumindest in unseren Breiten, auch immer wieder in die Kritik, oder unter den Druck des Themas der Wirtschaftlichkeit

Die Fischtreppe muss so oder so her. Mit oder ohne Stromerzeugung. „Beide Alternativen sind aufwands- und kostenintensiv ohne die Möglichkeit der Amortisation.“ - Vielleicht klappt es mit diesem Piloten. Und die WEV vertreibt dann örtlichen Strom.

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