Samstag, 25. Oktober 2014

Freifunk - Fragen, Antworten

..., was hinter Freifunk steckt und warum Sie und Andere sich der Initiative angeschlossen haben.

 

Computer-Netzwerke sind seit über 20 Jahren mein Hobby: Nachdem wir zunächst (illegal) Daten über das Telefonnetz der Deutschen Bundespost von Computer zu Computer übertragen haben, haben wir kurze Zeit später die Möglichkeit erhalten am damals nur an Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen vorhandenen Internet teil zu nehmen. Wir, war eine kleine Initiative in Münster die sich der Förderung der privat betriebenen Datenkommunikation verschrieben hat.

http://archive.org listet die Vereinshomepage erstmals am 14. April 1997. Schon zu dem Zeitpunkt überholten kommerzielle Angebote die technischen Leistungen des Vereins. Nach der Nutzung des Internets über DSL wurde irgendwann auch die mobile Nutzung halbwegs bezahlbar. Während die DSL-Tarife jedoch in der Regel pauschal abgegolten sind, quälen wir uns in mobilen Netzen oft noch mit unzureichenden Geschwindigkeiten und unzureichenden Tarifen: Auch mitten in gut versorgten Gebieten, findet sich irgendwo im Haus eine Stelle, wo der mobile Empfang unzumutbar oder ganz unmöglich ist.

Viele werden das privat und auch beruflich kennen: da ist jemand mit Smartphone oder Laptop zu Besuch und fragt, ob er mal eben kurz das WLAN benutzen darf.

Warum brauchen wir freie Netzwerke?

Die Gründe, warum man sich ziert das eigene WLAN-Netzwerk zur Verfügung zu stellen, sind die Rechtslage in Deutschland und die Sicherheit der eigenen Daten. Niemals die Kosten.

Zuerst der einfache Teil: die im Freifunk eingesetzte Software isoliert das Freifunk-Netz ähnlich wie das inzwischen allseits bekannte Gast-WLAN. Wer ganz, ganz, ganz sicher gehen will, isoliert den Knoten zusätzlich eben in diesem Gast-LAN.

Jetzt der schwierigere Teil: Sätze wie „Das Telemediengesetz verpflichtet Anbieter, grundsätzlich die anonyme oder pseudonyme Nutzung zu ermöglichen - sofern die technisch machbar und zumutbar ist.“ [1] werden in aktuellen kommerziellen Netzwerken nicht wirklich ernst genommen: Massendatenspeicherung, wohin man sieht.

Würde die aktuelle Rechtslage im Internet auf Postboten übertragen, wären diese strafrechtlich und in der Konsequenz auch haftungsrechtlich für zugestellte Briefe und Pakete verantwortlich. Dank Postgeheimnis, ist es diesen jedoch sogar verboten, vom Inhalt eines Briefs Kenntnis zu nehmen.

Es häufen sich die Meldungen, dass Internet-Anbieter durch staatliche Behörden aufgefordert werden, Netze abzuschalten, oder massenhaft anfallende Kommunikationsdaten für zweifelhafte Zwecke zu liefern. Diese Begehrlichkeiten können immer dann befriedigt werden, wenn es zu einer gewissen Konzentration der Anbieter kommt.

Freie Netze sind so eine weitere Garantie und die Möglichkeit für die Weiterentwicklung von Artikel 5 Absatz 1 Grundgesetz (verkürzt):
„(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten […] Eine Zensur findet nicht statt.“ 
Der Missbrauch freier Netze ist möglich. Eine Strafverfolgung in freien Netzen aber auch.

Und was ist das Ziel von Freifunk Warendorf?

 

Analysiert man die verfügbaren WLAN-Netze in der Stadt, findet man Unmengen von gesicherten WLAN-Netzen: Und das flächendeckend!

Finden sich ausreichend Unterstützer, können wir mit Freifunk ein freies, zur kostenlosen Nutzung zur Verfügung stehendes Netz bereit stellen. Für die Unterstützer fallen keine, bzw. vernachlässigbare laufende Kosten für Strom an.

Insbesondere in öffentlichen Gebäuden, kann man so eine durchgehende Infrastruktur für die öffentliche Nutzung bereitstellen. Bei minimalen laufenden Kosten.

Irgendwann in den 90ern erwartete ich, dass „dieses Internet“ sinnvoll ist. Der nächste Schritt, so hoffe ich, ist eine grundsätzlich überall frei verfügbare Grundversorgung. Bei Grenzkosten, die gegen Null tendieren, heute keine Utopie mehr. Das technische Konzept ist mit Freifunk vorhanden. Dann gehen wir das einfach mal an....

Quellen:

[1] Spiegel Online - Justizministerin zur Anonymität: "Der Rechtsstaat muss Internet-Pöbeleien aushalten"