Mittwoch, 11. März 2015

Zufall statt Wahlfreiheit

Wenn etwas knapp ist, ist eine Möglichkeit zur Verteilung eine Verlosung. Das hat der Rat der Stadt Warendorf schon 1993 erkannt: Warendorf hat zwei Gymnasien die Schüler in die fünfte Klasse aufnehmen und die Schüler verteilen sich nicht immer geeignet auf diese.

1987 wurde ein Aufnahmerahmen festgelegt, der die Aufnahmekapazität in die Jahrgangsstufe 5 auf eine Vierzügigkeit begrenzt. Der Plan ging 1993 nicht mehr auf und musste revidiert werden, nachdem offenbar zweimal ein Auswahlverfahren angewendet werden musste. Gerade ist es jetzt wieder soweit: Zwei Drittel der Eltern haben ihre Kinder an dem einen, ein Drittel an dem anderen Gymnasium  angemeldet.


Begründung für die Festlegung der Aufnahmeregeln vor knapp zwanzig Jahren: die Realität hatte sich geändert. Das Laurentianum musste drei Jahre in Folge sechs Anfangsklassen bilden, das Mariengymnasium zunächst fünf und dann ebenfalls sechs. Der Situation wurde mit dem Bau von Pavillons und Wandlung von Fach- in Klassenräumen begegnet. Die in den Jahrgängen 1990-94 aufgenommenen Schülerzahlen lagen dabei 10-34% über den aktuellen Zahlen was 25 bis 86 Schülern entspricht. Die Schulen sagten damals jeweils eine Kapazität von 150 Schüler für die Eingangsklassen zu. Ein Wert, der in diesem Jahr um 17% unterschritten wird.

Problematisch ist die Verteilung also vor allem deswegen, weil sich die Eltern in ihrer Gesamtheit entschieden haben, ihre Kinder ungleich auf die beiden Schulen zu verteilen, und der Ratsbeschluss das seinerzeit ausgeschlossen hat. Was man seinerzeit schon festgestellt hat: die Quote der auswärtigen Schüler steigt, ebenso wie seinerzeit die Zahlen der Schüler in den Grundschulen. Durch die Einführung der Grundständigkeit an der Von-Galen-Schule (Realschule) versprach man sich damals wie heute dennoch sinkende Anmeldungen an den Gymnasien. Aus dem Hoffnungsträger Von-Galen-Schule ist die Städtische Gesamtschule geworden.

Das heute noch aktuelle Aufnahmeverfahren umgangssprachlich formuliert: Geschwister gehen vor. Wer aus einem Ort kommt, an dem es ein Gymnasium gibt, schaut in die Röhre. Wer aus einem anderen Ort kommt, von dem aus ein Gymnasium eines anderen Ortes besser erreichbar ist, schaut in die Röhre. Wer die Anmeldefrist verpasst hat, schaut in die Röhre. Wer Französisch als erste Sprache wählt, kommt auf's MGW (wird das noch angeboten?). Wer Latein als erste Sprache wählt kommt auf's LAU. Immer noch zu viele? Dann wird gelost wer die andere Schule wählen darf. Warendorfer finden in jedem Fall Platz an einem Warendorfer Gymnasium.

Bildung ist kostbar und nicht kostenlos. Ein Investition. Eine Investition, deren direkter Nutzen für die Stadt Warendorf als Träger nicht beziffert werden kann. Und: Bildung ist ein Thema, das man sich nicht nur leisten sollte, wenn man Geld hat. Bildung ist ein wesentlicher Faktor für die Lebensqualität. Zum Alleinstellungsmerkmal Pferd muss sich ein Wirtschaftsfaktor Bildung gesellen. Hoffen wir, dass der Rat aus der aktuellen Situation lernt und den Beschluss von 1993 an die aktuellen Gegebenheiten anpasst. In der Zwischenzeit hat sich viel geändert. Wie haben das G8, wir haben den Ganztag, den die beiden Gymnasien in zwei verschiedenen Varianten anbieten, und wir haben neben dem Thema Inklusion, auch noch eine Städtische Gesamtschule, die Schüler auch zum Abitur führen wird.

Die beiden Gymnasien rühmen sich mit verschiedenen pädagogischen Konzepten. Die Eltern müssen anhand dieser wählen dürfen und wollen dies nicht dem Zufall überlassen müssen. Der Schulausschuss möge den Aufnahmerahmen neu festsetzen. Und weil man sicher recht gute Prognosen über die Zugänge machen kann, denn die Zugänge an den Grundschulen sind ja bekannt, möge man das bitte spätestens alle vier Jahre tun. Oft wird man nichts ändern müssen.

Quellen: Beschluss Schulausschuss 1.7.1993Ratsbeschluss vom 27.10.1993Diverses zur Schulpolitik in Warendorf

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